Dienstag, 07. September 2010

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Die Entwicklung des Schachlebens in Heilbronn

Die Anfangszeit vor dem ersten Weltkrieg

Den Untersuchungen und einer Schrift von Leonhard Fischer "Schach in Württemberg" ist es zu verdanken, dass hier auch Ausführungen zur Schachgeschichte Heilbronns gemacht werden können.

In einem Adressbuch des Jahres 1882 wird erstmals ein Schachclub in Heilbronn aufgeführt. Als Vorstand wird Paul Haag benannt, der diesen Verein bis 1888 führte. Von 1889 bis 1908 leitete der Silberarbeiter Michael Fleinert den "Schachclub". Damals wie auch später wurde oftmals das Spiellokal gewechselt. Stationen waren ab 1885 die "Harmonie" (Obere Allee 30), die "Altdeutsche Biersube" (Rathausgasse 5), die "Gaststätte zur Rose" (Marktplatz 6) und die "Brauerei Funk" (Fleiner Str. 26), die 1899 zu den "Kilianshallen" umgebaut wurden und dem Verein bis 1911 als Spielort diente.

Aus dem Jahre 1909 berichtet Leonhard Fischer über Veränderungen in der Mitglieds- und Führungsstruktur. War der Verein vorher von Spezialhandwerkern, Händlern und kleineren Beamten geprägt, so kam im Jahre 1909 der Kaufmann Felix Boeckheler an die Vereinsspitze. Als Kassenverwalter stand ihm Heinrich Veittinger, Inhaber eines Agenturen- und Komissionsgeschäfts zur Seite. Gespielt wurde nun im "Café Kaiserhof".

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg bestand auch ein Ortsverein des 1912 in Nürnberg gegründeten "Deutschen Arbeiterschachbundes". Als Schriftführer wird aus dieser Zeit Paul Trötschel erwähnt, der später von 1919 bis 1933 den Arbeiter-Schachverein und nach dem zweiten Weltkrieg die Schachabteilung des ASV Heilbronn leitete.

Die Weimarer Republik 1919 - 1933

Der "Schachclub" wurde auch nach dem Krieg von der alten Vorstandschaft (Felix Boeckheler und H. Veittinger) geleitet und spielte im "Kaiserkaffee" (Klarastraße 2). Für schachliche Höhepunkte sorgte der dem Heilbronner Schachclub angehörende "schwäbische Schachmeister" Georg Wiedemann, der 1931 im "Hotel Central" die württembergische Meisterschaft gewann!

Im Jahre 1931 wurde der Zahnarzt Dr. Julius Gummersheimer neuer Vorsitzender des "Schachclubs", dessen mehr als 50jährige Geschichte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 endete. Ein Verein mit einem jüdischen Vorsitzenden passte den neuen Machthabern nicht.

Im Jahre 1919 wurde im Lokal "Traube" (Salzstraße 48) unter der Regie von Paul Trötschel ein neuer "Arbeiterschachverein" gegründet, der ebenfalls bis 1933 bestand. Im Vordergrund stand der Breitensport und auch kulturelle Veranstaltungen. So wird über eine SChachpartie mit lebenden Figuren berichtet, die anlässlich einer Arbeitersportveranstaltung auf dem VfR-Platz gezeigt wurde. Die Kostüme aus der Zeit der Französischen Revolution stellte der Fundus des Heilbronner Stadttheaters zur Verfügung.

1923 trennten sich die böckinger Arbeiterschachspieler vom Heilbronner Verein und gründeten den "Arbeiterschachclub Böckingen", Vorgänger des heute noch bestehenden "SV 23 Böckingen".

Außer den bereits erwähnten Vereinen gab es auch einige Zeit einen "Schachverein Anderssen", einen "Schachverein Böckingen" und einen "Schachverein Neckargartach".

Schach im "Dritten Reich", 1933 - 1945

Bereits am 23. April 1933 wurde der "Deutsche Schachbund" in den "Großdeutschen Schachbund" umbenannt. Ehrenvorsitzender wurde Reichsminister Dr. Goebbels. Jüdische Mitglieder wurden aus den Vereinen ausgeschlossen und die Arbeiterschachvereine verboten.
Während der "Heilbronner Arbeiterschachverein" einer Enteignung durch Selbstauflösung zuvorkam (das Spielmaterial wurde an die Mitglieder verteilt), verloren die Böckinger Arbeiterschachspieler ihren Besitz durch den "Besuch" eines SA-Rollkomandos in ihrem Vereinshaus.

Die Gleichschaltung durch die neuen Machthaber führte zur Gründung des "Heilbronner Schachvereins 1933", die am 2. Juni 1933 im Lokal "Stuttgarter Hofbräu" (Kaiserstr. 31) erfolgte. Vorsitzender wurde Ernst Bernecker, sein Stellvertreter Otto Fuhrmann (nach Gründung des HSchV bis 1956 Kassier). Spielleiter wurde Anton Geiger, der im "Heilbronner Tagblatt" (damals NS-Zeitung) die wöchentliche Schachecke leitete.

Im Vereinslokal "Café Baier-Etzel" (Große Biedermanngasse 6) war donnerstags der Pflichtspielabend. Dienstags wurde im "Gasthaus zum Jägerstüble" (Kleine Metzgergasse 6) gespielt. Im Jahre 1934 spielte der Verein im Torwegzimmer der "Harmonie-Gaststätte" und ab November 1935 im "Restaurant Royal" (Bahnhofstr. 33).

Vermutlich 1936 entstand die "Schachabteilung Knorr" innerhalb des "Heilbronner Schachvereins 1933". Prominentestes Mitglied dieser Betriebsschachgruppe war für ca. zwei Jahre der mehrfache württembergische Meister Theo Schuster.

Vom 8. bis 15. August 1937 wurde in Heilbronn der 19. Schwäbische Landesschachtag des Schachverbandes Württemberg-Hohenzollern abgehalten. Die außer Konkurrenz startenden Spieler Engels (Düsseldorf) und Dr. Tröger (Kempten) belegten bei dem in der "Stadtgarten-Gaststätte" ausgetragenen Turnier die ersten Plätze. Württemebrgischer Meister wurde Dr. Ludwig (Stuttgart), der den dritten Platz erkämpfte.

Im "Hotel Reichshof" wurde vom 15. bis 24. April 1938 das sogenannte "Zonenturnier" durchgeführt. Zwölf Spitzenspieler, die sich in ihren Landesverbänden Baden, Bayern, Mittelrhein und Württemberg qualifiziert hatten, spielten um die Teilnahmeberechtigung zur deutschen Meisterschaft. Dieses Ziel erreichten Kohler (München) und Eisinger (Karlsruhe).

In den Jahren 1936 bis 1938 besuchten mehrere deutsche Spitzenspieler die Stadt, um Simultanvorstellungen zu geben. Neben Theo Schuster waren Engels (Düsseldorf), Georg Kieninger (Köln) und Großmeister Bogoljubow Gäste des "Heilbronner Schachvereins 1933".

Am 27.10.1938 gab Großmeister Fritz Sämisch im "Hotel Reichshof" eine Blindspiel-Simultanvorstellung an 10 Brettern, wobei er 7 Spiele gewann.

Neubeginn nach dem Zusammenbruch 1945

Nach dem zweiten Weltkrieg begann im zerstörten Heilbronn der Wiederaufbau und mit ihm auch ein neues Vereinsleben. Bereits 1946 etablierten sich eine Schachabteilung des ASV (Allgemeiner Sportverein), des VfL Neckargartach und der SV 23 Böckingen (innerhalb der SKG "Sport und Kulturgemeinde" Böckingen).

Die erste Heilbronner Stadtmeisterschaft wurde 1947 im Vereinsheim des VfL Neckargartach ausgetragen.

In den folgenden Jahren folgten weitere Vereinsgründungen. So gabe es den Eisenbahn-Sportverein, eine Schachabteilung des VfR und kleinere Clubs in Sontheim und Frankenbach.

Die Einführung der Mannschaftsmeisterschaften verhalf dem Schach zu einem außergewöhnlichen Aufschwung und vor allem der Beitritt zum Württembergischen Landessportbund förderte das Ansehen des königlichen Spiels, das nun auch als sportliche Tätigkeit anerkannt wurde.

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© 2001, Heilbronner Schachverein e.V., Wolf Böhringer